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Dachterasse Gestaltung, Bern

Seit der Entstehung der Überbauung im Baumgarten (3. Etappe) in Bern ist viel geschehen. In den 10 Jahren hat sich der Aussenraum zu einer grünen Oase entwickelt, wenn auch nicht unbedingt den Prinzipien der Permakultur folgend, eher dem Stil moderner verdichteter Siedlungen mit hohem ‚Grünanteil‘. Es sind schöne und belebte Aussenbereiche mit unverdichteten Plätzen, Hochstamm Bäumen, einheimischen Pflanzen, Vertikalbegrünungen, und es sind auch kleinen Gemüsegärten und Hochbeete entstanden. Es könnte allerdings noch sehr viel getan werden, was aber das Einverständnis einer Mehrheit der Eigentümer voraus-

setzen würde. Die Wohnungen und deren Aussenbereicht lassen da mehr Spielraum zu, solange sie den Gestaltungs- und Nutzungsvorschriften der Siedlung nicht zuwiderlaufen.

Zu meiner Wohnung gehört ein Dachterrasse von 40 m2 die östlich begrenzt wird von einer grauen Betonmauer. Seitlich - abgegrenzt durch ein einen verzinkten Metallzaun - befindet sich eine ca. 6 m breite extensive Dachbegrünung, die nicht begehbar ist. 

Zur Terrasse gehört ein kleiner Schopf und eine Pergola aus verzinktem Stahl. Der Boden ist mit Betonplatten abgedeckt. Die Terrasse ist ziemlich exponiert und bei starker Bise kaum benutzbar. Auch fehlt ein gedeckter Bereich der Schutz bei Regen oder starker Sonneneinstrahlung bietet. 

Vision

Die Vision ist eine Wohlfühloase zu gestalten und ein eigenes Biotop mit grosser Vielfalt an Pflanzen und Förderung von Insekten, Vögel und anderen Tieren zu schaffen, ohne einen grossen Mehraufwand im Unterhalt zu generieren. Die Idee ist ein sich selbst regulierendes Biotop mit Permakultur-Elementen zu schaffen, die sich gegenseitig derart unterstützen, dass der menschliche Pflegeaufwand minim ist, und auch im Sommer Abwesenheit von mehreren Wochen übersteht. Vor allem im Winter und in der Übergangszeit soll das System nutzbar sein und sich positiv auf diePsyche des Menschen auswirken. Wind- und Witterungs-schutz, optimale Nutzung der Sonne, Aromen und Heilpflanzen, so wie ein möglichst natürliches Ambiente durch die Verwendung natürlicher Materialien und Farben.

Eckdaten

Ort

Nussbaum Quartier, Bern, Schweiz

 

Höhe

560 ü.M

 

Weitere Bedingungen

Balkon gedeckt

Projektbeginn 

Winter 2019

Projektabschluss

Geplant Herbst 2020

 

Status

Läuft noch

 

Ziele Gestaltung der Dachterrasse 

  • Den Wohnkomfort zu steigern und eine Wohlfühloase zu gestalten

  • Auszuloten was in einer verdichtet gebauten Überbauung in einer Stadt möglich ist

  • Belebung der Pflanzen- und Insektenvielfalt im Quartier und Gestaltung neuer Lebensräume

  • Geringer Aufwand für den Unterhalt (giessen) um auch längere Abwesenheiten von mehreren Wochen zu ermöglichen

  • Optimale Nutzung der Sonne, Heilkräuter, Aromapflanzen, etc., um den ‚miesen Klima‘ und geringer Sonneneinstrahlung im Winter entgegen zu wirken

  • Geschützter Sitzbereich für Morgenkaffee an der Sonne auch im Winter

  • Angeeignetes Wissen des PK Kurses anzuwenden und umzusetzen (Lerneffekt) und für ein allfälliger Diplomkurs zu dokumentieren

  • Vorzeigeprojekt für weitere PK-Projekte im urbanen Bereich

Projektablauf (bis jetzt)

1. Beobachtung und Design
Aufgrund der Beobachtungen wurden die Vision und die Ziele entwickelt. Speziell zu berücksichtigen sind die Vorschriften bezüglich der Gestaltung und Nutzung der Aussenbereiche der Siedlung, aber auch die exponierte Windsituation vor allem bei Biese auf der Nordseite. Speziell ist auch, dass das Regenwasser in Regenrückhaltbecken gespeichert wird, um bei Starkregen die Kanalisation. nicht zu überfordern. Daraus ist ein Anfoderungskatalog und ein Permakulturdesign entstanden.

2. Erster Implementierungsschitt 2019

Als nächster Schritt wurde die bestehende Pergola leicht modifiziert und im vorderen Bereich gekürzt um ein minimales Gefälle von 1% zu erreichen. Die Wahl der geeigneten Materialen für die teilweise Abdeckung und den geplanten Windschutz nimmt mehr Zeit in Anspruch als geplant. Ziel ist es keine konstruktuellen Anpassungen vornehmen zu müssen und wenn möglich natürliche Materialien zu verwenden, oder – wenn Glas – Recyclingmaterial zu verwenden. Die geeignete Lösung zu finden und umzusetzen wird noch ein paar Wochen in Anspruch nehmen. Dasselbe gilt für die geplante Wild- und Naschhecke aus einheimischen Pflanzen die als Windschutz gedacht ist. Herausforderung ist nicht zu viel Gewicht auf die Terasse zu bringen um die statischen Anforderungen zu respektieren.

3. Aktivitäten 2020

Der durch Corona verursachte 'Lock down' gab mir Zeit um die Abdeckung der Pergola zu erneuern und so einen vor Regen geschützten Arbeitsplatz zu erhalten. Danach beschaffte ich 12 SBB Wechselrahmen 60 x 80 cm und dazugehörige Halbpaletten und konnte die Zeit nutzen diese zu lasieren und und als Hochbeete aufzubauen. Zuerst mussten noch die alten, halb verfaulten SBB Paletten abgebaut und entsorgt werden. Für den Hochbeetaufbau habe ich Noppenplastik zum Schutz der Holzwände benutzt. Am Boden zuerst eine Art Plastikwanne aus grossenund festen Abfallsäcken ausgelegt und eine ca. 10 cm tiefe Wanne mit Blähtonkugeln gefüllt. Dies als Wasserspeicher. Über einem Trennflies kan dann der Hochbeetaufbau mit Grünabfall und Westen, Pferdemist und mit Gartenerde. Schichtweise habe ich auch Steinmehl und zermahlene Bioholzkohle eingearbeitet. Die oberste Schicht von 5-10 cm war dann reine Gartenerde und Kompost. Als Anpflanzung habe ich winterharte Pflanzen wie Haselnuss, Stachelbeeren, Johannisbeeren und viele Stauden gewählt und eine Gründüngung. sowie Sonnenblumen eingesät.

 

Die ostseitige Betonwand habe ich für eine Vertikalbegrünung vorgesehen. Das neu installierte Metallgitter dient als Rankgerüst für Kiwi, Stangenbohnen, Klematis und einer Kletterrose. Im Spätherbst wird dann noch eine Weinbergpfirsich als Spalier gepflanzt. 

Ein Regenfass sorgt für die Giesswasserversorgung, zumindest leistet einen Beitrag, denn die Dachfläche reicht nicht aus um genügend Wasser zu sammeln. Es ist aber ein Beitrag um den Trinkwasserverbrauch zu senken. 

Ein weiterer Ausbauschritt wird dann im Frühling 2021 geplant. Ich möchte die Erfahrungen und Erkenntnisse aus den bisher 8 installierten Hochbeete für die nächste Etappe anwenden. Ideal wäre es auch ein kleines Feuchtbiotop zu installieren und ein grösseres Insektenhotel und Nistplätze für Vögel und ev. Fledermäuse zu errichten. 

Nächste Schritte folgen............