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'Natural Pool und Biotop', Kolumbien

Eine schöne Hotelanlage in einer Gegend, wo es das ganze Jahr tagsüber zwischen 25 und 32 Grad warm ist, braucht für seine Gäste einen Swimmingpool. In der Regel sind dies konventionelle Pools von 15 bis 25 m Länge und 6 bis 8 m Breite. 

 

In dieser warmen Klimazone mit viel Sonnenschein ist es eine spezielle Heraus-forderung, dass stehendes Wasser nicht ‘veralgt’ oder oder zu einer Moskitobrutstätte verkommt. Deshalb besitzen alle Pools eine Chlor- oder Salz-Reinigunsanlage und müssen täglich gereinigt werden.

Unser Ziel war es einen Swimmingpool mit einer möglichst kleinen Wasseroberfläche zu bauen und ohne chemische Zusatzstoffe zu betreiben. Der Überlauf soll für extensive Fischzucht oder für Wassergemüse oder Aquaponic genutzt werden können und anschliessend über ein Bächlein mit Filterpflanzen in einem Feuchtbiotop nochmals genutzt werden.

Das Gesamtsystem soll in sich stabil sein und nur mit natürlichen Ressourcen gespiesen und gereinigt werden.

 

Projektverlauf

1. Konzeption und Design Natural-Pool und Biotop

Ein grosser Swimmingpool hat den Nachteil, dass er ein grosses Wasservolumen benötigt und dass dieses dauernd sauber gehalten werden muss. Zudem ist in heissen Klimazonen die Verdunstung beträchtlich, d.h. es besteht ein recht grosser Wasserverbrauch von täglich mehreren 100 Litern.

Das hat uns bewogen eine kleine Anlage von 6 x 4 m Wasseroberfläche zu planen und dies mit einer Wassertiefe von 1.60 um das Wasser möglichst kühl zu halten. Diese Ausmass ist absolut ausreichend um zu baden. Wer schwimmen möchte, kann eine Gegenstromanlage einbauen. Mit Hilfe dieser Düsen ist es problemlos möglich lange Zeit sportlich zu schwimmen ohne gleich über einen grossen Swimmingpool zu verfügen. Zudem wird das Wasser mit Sauerstoff angereichert und eine gute Durchmischung gefördert. Wenn richtig konzipiert, richtet der Wasserfluss keine Schäden an Pflanzen oder Fischen an.

Eckdaten

Ort

Nähe von Armenia, Quindio, Kolumbien

Terrain

7’500 m2

 

Höhe

1250 ü.M, subtropisches Klima mit mehr als 2000 mm Niederschlag p.a.

 

Projektbeginn 

März 2018 (Planung und Baubeginn Natural Pool)

Projektabschluss

März 2019 (Verkauf Eco Lodge)

 

Status

Realisiert

Ein Naturalpool besteht aus einer Schwimmzone und einem integriertem Pflanzenfilter von ca. 1/3 der Wasseroberfläche. Er unterscheidet sich grundsätzlich von einem Schwimmteich und auch von einem Pool mit einem separaten Pflanzenfilter. Alle 3 Systeme haben ihre Vor- und Nachteile.

 

Der Schwimmteich ist wohl die natürlichste Variante, bedarf aber einer recht grossen Fläche und lässt sich kaum in eine Terrasse integrieren. Auch ist der Schwimmbereich eher schwieriger ‘sauber’ zu halten.

Der Kompromiss war ein Naturalpool, der mit einem grünen Pflanzenfilter-Bereich auch optisch sehr schön aussieht und weder verschlammt noch schwierig zu pflegen ist. Der Filterbereich muss jedoch mindestens 1/3 der Wasseroberfläche betragen und dient auch als Rückzugzone für die Fische wenn der Schwimmbereich benutzt wird. Es empfiehlt sich ein Pumpsystem einzubauen, welches das Wasser umwälzt. Mit der Pumpe wird das Wasser aktiv durch die Filterschicht aus Kies gesaugt und auf der gegenüberliegenden Seite ca 40 cm über der Wasserlinie einspritzt und dadurch mit Sauerstoff anreichert. Ein zusätzlicher Sandfilter hilft allfällige Algenreste heraus zu filtern und das Wasser klar zu halten.

Das überlaufende Wasser wird in einem ca. 80 cm tiefer gelegenen Becken aufgefangen. Dieses dient als Becken für extensive Fischzucht oder für Wassergemüse, resp. eine Kombination davon. Dieser offene Tank hat eine eigene Niedervoltpumpe, welche das Wasser zirkulieren und es durch einen Filter aus sterilisiertem Flusssand laufen lässt. Das von Fischkot, Pflanzenresten oder Schmutz gereinigte Wasser wird auf einer Höhe von 1.20 m wieder in den offenen Fischtank eingespritzt und so mit Sauerstoff angereichert.

An einem tiefer gelegenen Punkt des flachen Teils der Finca wird das Biotop geplant. Dieses ist nicht zum Baden gedacht, sondern ein Feuchtbiotop mit verschiedenen Wassertiefen und einer ausgeprägten Randzone. Gespiesen wird das Biotop durch Regenwasser das durch ein System von kleinen Trockenbächen und dem Überlauf aus dem Fischteich zugeleitet werden.

Das Wasser aus dem Fischteich wird auf dem Weg durch ein System von Wasserpflanzen gereinigt. Damit diese Bachanlage immer Wasser führt, wird sie durch eine kleine Solarpumpe mit Wasser aus dem Biotop versorgt, das auch durch einen Sandfilter läuft.

Und wie funktioniert der Überlauf des Biotops, vor allem bei starken Regenfällen? In der Flachzone ist ein Versickerungssystem geplant mit Pflanzen, welche Wasser absorbieren aber auch einer Zone die das Wasser in eine tiefere Erdschicht versickern lassen. Ein ‘Notüberlauf’ in Form einer Röhre würde bei extremem Hochwasser diese in den 20 Höhenmeter tiefer gelegenen Bach leiten.

Die Konzeption dieses System war sehr anspruchsvoll, ging es vor allem darum natürliche Abläufe zu integrieren und das Wasser mehrstufig zu nutzen und immer wieder zu reinigen. Dies unter Einbezug eines optimalen Einsatzes von einheimischen Wasserpflanzen, Fischen und Wassertieren.

Die das Design in 3 D und die Auswahl der heimischen Wasserpflanzen wurde wiederum mit unserem bewährten Partner in Kolumbien erstellt. Aufgrund der sehr guten Erfahrungen werden wir auch zukünftig grössere Projekte mit seiner Hilfe professionell visualisieren.

Auch hier war die Koordination mit dem Architekten und einem zusätzlich beigezogenen Statiker sehr wichtig.

2. Baubeginn und Umsetzung

Nach mehrwöchiger Planung wurde mit dem Bau begonnen. Der Schwimmbereich mit dem integrierten Pflanzenfilter und dem ‘Technikraum’ bedurfte speziell armierter Betonmauern die gleichzeitig als Stützmauern für die Terrasse dienten. Da die Region einem Erdbebengebiet liegt, waren besondere Verstärkungsmassnahmen notwendig.

Nach Fertigstellung des Rohbaus des Hauses haben wir mit dem Bagger gelichzeitig mit den Umgebungs-arbeiten auch bereits das Biotop ausgehoben und einen Damm angelegt um dienotwendig Höhe ‘talseitig’ zu erreichen. Der Damm wurde flach angelegt und durch den Bagger kontinuierlich verdichtet, sowie mit Sandsäcken verstärkt. Anschliessend mit der tiefwurzelnden Pflanze ‘Vertiber’ bepflanzt mit der Absicht den Damm zwei Jahre setzen und verfestigen zu lassen bevor wir mit dem eigentlichen Bau des Biotopes begonnen wird.

Nach mehreren Wochen Bauphase war der Pool fertig und nach einer ersten Befüllung mit Wasser auch dicht.

3. Inbetriebnahme

Als nächstes wurde der Pflanzenfilter aufgebaut. Drei 4’’ Sauröhren mit Ansauglöchern und mit einem Netz gegen Verschmutzung umwickelt, wurden verlegt. Darauf 60 cm Kieselsteine mit verschiedenen Druchmessern eingebracht und anschliessend bepflanzt. 30 kleine Fische ‘Gupies’ und 3 junge Karpfen wurde zur Moskitokontrolle eigebracht sowie auch einige Süsswasserschnecken die sich von verrottetem Pflanzen-

material ernähren.

Das Wasser wurde nach einigen Tagen leicht grünlich, war aber frei von Algenbefall. Die Gupies vermehrten sich, Moskitolarven gab es keine. Im Fischteich wurde eine Seerose gepflanzt und verschiedene Wasser-pflanzen in Pflanzkörben eingesetzt. Als ersten Besatz ebenfalls einige Gupies und 2 Karpfen eingesetzt.

Die Pflege beschränkte sich auf 2 x wöchentliches ‘abfischen’ der Oberfläche und ‘staubsaugen’ des Schwimmbereiches was in 30 Min erledigt werden kann. Die Fische ernährten sich selbst und wurden nicht gefüttert um keine Nährstoffe einzubringen.

Nach 1 Monat war das System dermassen stabil, dass das Wasser zwar etwas grünlich blieb aber absolut sauber und weich zum Anfühlen war. Nicht nur die Gupie Population und die Süsswasserschnecken regulierten sich selbst, auch die Karpfen sind gewachsen.

Ergebnisse zum Projektabschluss

Die Planung sieht ein umfassendes Wassersystem basierend auf natürlichen Pflanzenfiltern und kleinen Fischen und Wassertieren zur Vermeidung von Moskitolarven und Wassertieren und zur Reinigung des Wassers vor, welches als stabiles System funktioniert. 

 

Realisiert und in Betrieb genommen wurde der Naturalpool und der Fischteich. Beides funktioniert einwandfrei und das System hat sich bereits nach wenigen Wochen stabilisiert. Die Filterpflanzen haben sich etabliert und haben sich vermehrt, ebenso die kleinen Fische und Wasserschnecken. Erster Laich – vermutlich Froschlaich – zeigt, dass ich schrittweise auch andere Lebewesen den Lebensraum aneignen.

Schön ist es zu beobachten dass vor der Haustüre Vögel und Kleintiere ein Bad im flachen Teil des Pflanzenfilters nehmen oder Wasser trinken.

Die Inbetriebnahme des Fischteiches, die Weiterentwicklung des Überlaufs und der Bau es Teiches mit seiner Feuchtzone ist dem neuen Besitzer überlassen. Ob er allerdings das ökologische System so weiter betreiben wird oder auf Chlor oder Salz umstellen wird ist nicht klar. Leider sind Natural-Pools in Kolumbien eine Seltenheit und unser Projekt war das erste in der Kaffeezone. Ein echtes Pionierprojekt das in der Region kontrovers diskutiert wurde, da immer noch der Glaube vorherrscht unbehandeltes, stehendes Wasser sei eine

‘Moskitozucht’ und das ist wegen tropischer Krankheiten wie Malaria, Dengue und Chigonguya durchaus verständlich. Das kleine Fische in genügender Anzahl diesen Job erfolgreich bewältigen, ist dort nur in Fachkreisen bekannt und leider weder von der Gesundheits- noch der Tourismusbehörde akzeptiert.