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Eco Lodge 'Villa Colibri', Kolumbien

Zwei Jahre nach Kauf der ursprünglich brachliegenden Landwirtschaft-Parzelle und der sichtbar positiven Ergebnisse der Permakultur-Massnahmen (Siehe Pionier-projekt Permakultur in den Tropen), kam der Wunsch auf das Projekt zu erweitern und für Ökotourismus zu öffnen.
 

Ziel war der Aufbau und Betrieb einer Eco-Lodge gekoppelt mit einer weit-gehenden Selbstversorgung mit Gemüsen und Früchten und ein Zentrum für Permakultur für Kurse und Praktikas. Zielpublikum sind ausländische Gäste die eine längere Auszeit in einem familiären Ambiente in Kolumbien verbringen möchten, sowie Interessierte Personen an Permakultur.
 

Planung, Bau und Betrieb einer Eco-Lodge ist nicht nur ein Grossprojekt bezüglich Ressourcen und finanziellem Aufwand, sondern bedingt auch ein hohes Mass an Innovation und vorausschauender Planung. Hinzu kommt, dass Bauen in Kolumbien noch anspruchsvoller ist als in der Schweiz, vor allem was die Qualität und Termineinhaltung betrifft.
 

Die positiven Ergebnisse des Pionierprojektes ‘Permakultur in den Tropen’ hat uns den Mut gemacht diesen Schritt zu wagen, auch wenn es im Nachhinein gesehen wohl eher etwas ‘übermütig’ war. Entsprechend gross war der Aufbau an Erfahrungen und Know How, insbesondere was Wassermanagement betrifft. Hier ist uns in Kolumbien eine Pionierleistung gelungen.
 

Der Name Villa Colibri ist aufgrund der Beobachtung entstanden, dass sich verschiedene Kolibri-Arten an unseren Blütenpflanzen verköstigten und ein Kolibri-Paar in einem Guavenbaum nistete.

 

Projektverlauf

1. Detailliertes Permakulturdesign und Visualisierung in 3D

Das ursprüngliche, von Hand erstellte Permakulturdesign, hatte sich bewährt und war nach wie vor gültig. Das nun anstehende Projekt bedurfte jedoch einer Konkretisierung vor allem für die Zonen 0, 1 und 2. Mit Unterstützung eines PK-Designers in Kolumbien, der nebst Know How über ein professionelles Zeichnungs-tool verfügt haben wir gemeinsam die Ziele, die Zonenplanung und das Permakulturdesign überarbeitet und mit dem Architekten der Gebäude abgestimmt. Dies war ein wechselwirkender Prozess mit grossem Koordinations- und Abstimmungsaufwand. Siehe ‘Planung der Eco Lodge’.

Eckdaten

Ort

Nähe von Armenia, Quindio, Kolumbien

Terrain

7’500 m2

 

Höhe

1250 ü.M, subtropisches Klima mit mehr als 2000 mm Niederschlag p.a.

 

Projektbeginn 

Oktober 2015 (Kauf Terrain)

Projektabschluss

März 2019 (Verkauf Eco-Lodge)

 

Status

Realisiert

2. Planung und Bauphase der Eco Lodge

Eine Eco Lodge hat den Anspruch Gäste, Gastgeber und Angestellte auf eine möglichst ökologische Art und Weise zu beherbergen und zu bewirten. Dazu bedarf es zuerst eines Konzeptes der die Ziele und Massnahmen festlegt was genau in welchem Ausmass anders sein soll gegenüber einem konventionellen Bau eines Hotels oder einer Lodge.
 

Wir mussten uns auf das wesentliche Fokussieren und diejenigen Elemente die einen grossen ökologischen Impact haben bevorzugen. So machte es wenig Sinn Solarzellen zur Stromgewinnung zu installieren, wenn direkt neben dem Haus die Stromleitung vorbei geht dessen Strom aus Wasserkraft gewonnen wird. Ebenso macht eine Biogasanlage wenig Sinn, wenn eine Naturgasleitung vor dem Haus verlegt wurde. Unser Thema war in 1. Linie die konsequente Nutzung des Regenwassers als Brauchwasser für Haushalt, zum Giessen der Pflanzen aber auch für den später entstehenden ‘Naturalpool’ und dem Biotop.
 

Das Verständnis des eher konventionellen Architekten musste für die Anliegen der Permakultur geweckt werden. Möglichst natürliche, regional vorhandene Baumaterialen wir Holz, Tonziegel, Naturfarben, Regenwassernutzung und -Aufbereitung, Grauwasser mit ‘Banana-Cyrcle’ und Nutzung des geklärten Abwassers als biologischen Dünger sind einige exemplarische Beispiele die unseren Architekten oft ans Limit brachten. Als Kenner der regionalen Eigenheiten – starke Sturmböen, kurzzeitig heftige Regenfälle und vor allem die regelmässigen Erdbeben – mussten wir unser ‘Wunschliste’ bezüglich rein ökologischem Bauen anpassen und doch mehr Stahlbeton für die Fundamente verbauen als ursprünglich erwünscht.

Für vieles mussten kreative Ideen und innovative Lösungen/Technologien her, da in Kolumbien keine Regenwasserfilter wie bei uns in Europa existieren. So habe ich einen auf 500 m2 Dachfläche konzipierten WISI-Rotationsfilter aus Deutschland importiert und ein Feinfiltersystem für Wasser aus Frankreich eingebaut.

Trotzdem ist es ein sehr gelungenes Projekt geworden das mit 4 grosszügigen Doppelzimmern und einem Pförtnerhäuschen für die Angestellten ein ökologisches Zuhause oder Feriendomizil bietet.

3. Umgebungsgestaltung

Die unmittelbare Umgebung des Hauses (Zone 1 und 2) mussten detailliert auf die Bedürfnisse der Bewohner und Gäste angepasst werden.

Der Zugang erfolgt ab der Hauptstrasse 300 m über eine nicht geteerte Strasse, was bei trockener Witterung viel Staub verursacht. Des Eingangbereich wurde mit einer 10 m breiten ‘Staubfilterzone’ geplant. Anschliessend eine Freifläche für den Gemüsegarten. In der Planung in Mandala-Form angelegte ‘Hochbeete’ und Kräuterspirale mit Feuchtzone im unteren Bereich.

Das Leben in Kolumbien findet wenn immer möglich draussen statt und zwar ganzjährig. Dies bedarf Schattenzonen, Regenschutz aber auch Abkühlung was wir in einem Folgeprojekt mit einem ‘Naturalpool’ realisiert haben. Entsprechend wurden die Aussenräume mit gedeckter Veranda, Pergola, Aussenküche, Grillplatz/Pizzaofen, aber auch Schattenbäumen die wie ein Schirm breit ausladende Äste bilden, wenn sie

entsprechend geschnitten werden.

Und natürlich auch einheimische Wasser- Rank und Blütenpflanzen. Ein kleiner Zaun um die Zonen 0+1 hält Kleintiere ausserhalb der Haus- und Gartenzone.

Wichtig war auch die Drainage des Terrains mit einem System von Trockenbächen die alle zum Biotop laufen und so ausgelegt sind, dass ein grosser Teil des Wassers auf dem Weg versickert.

Ergebnisse zum Projektabschluss

Villa Colibri ist fertiggestellt und erste Gäste konnten beherbergt werden. Erfreulich wie gut das Regenwasserkonzept funktioniert und sowohl die Qualität wie auch die Quantität ausreichend sind für die Bedürfnisse der Eco Lodge.

 

Das Grauwasserkonzept mit dem Banana-Circle funktioniert hervorragend, ja die grössten Bananen auf der Finca wachsen beim Banan-Circle. Auch die Abwassernutzung der Toiletten mit dem Klärtank und der anschliessenden Nutzung mit Sickerleitungen als Düngerlieferant funktionierte einwandfrei, ohne Verstopfungen und mit einer ausreichenden Klärung durch den aeroben Bakterienfilter.